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Diese Worte hatten Kimberly wirklich getroffen, aber nicht so hart wie das, was Goldie als N"achstes sagte.
„Oder glaubst du immer noch, dass du eine Olympiagymnastin wirst?“
Kimberly war entsetzt gewesen. Nein, sie hatte nicht mehr davon getr"aumt, seit sie zw"olf oder dreizehn gewesen war. Es erschien ihr gemein von Goldie, dass sie das aus dem nichts wieder hervorgeholt hatte.
Trotzdem hoffte Kimberly auf viel mehr, als Dalhart zu bieten hatte. Sie konnte es kaum erwarten hier raus zu kommen. Sie dachte sich, dass sie direkt nach Memphis ziehen und den ersten Job annehmen w"urde, den man ihr anbot, um zur Abwechslung mal das Grossstadtleben zu geniessen.
Sie hatte das bisher noch zu niemandem erw"ahnt –– nicht einmal zu Goldie. Und der heutige Abend hatte sich ganz bestimmt nicht wie der richtige Zeitpunkt angef"uhlt, um es ihr zu sagen. Kimberly war sich sicher, dass ihre Eltern gegen jedwede derartige Idee sein w"urden. Sie hoffte bloss, dass sie stark genug sein w"urde, um auf dem zu beharren, was sie wollte, wenn die Zeit zum Abschied kommen w"urde.
Sie hatte nun die H"alfte ihres Weges hinter sich und summte immer noch dieselbe Melodie, wobei sie sich immerzu fragte, welches Lied es war. Dann h"orte sie ein komisches, schrilles Ger"ausch. Zuerst dachte sie, dass es der Wind war. Doch eigentlich gab es grade mal eine leichte Brise in der Luft.
Sie blieb abrupt stehen und horchte.
Irgendjemand pfeift! begriff sie.
Nicht nur das. Irgendjemand pfiff dieselbe Melodie, die sie soeben gesummt hatte.
Pl"otzlich h"orte das Pfeifen auf.
Sie rief leise, aber bestimmt: „Bist du das, Jay? Wenn ja, ist das nicht gerade witzig.“
Ihr Freund Jay hatte vor etwa einer Woche mit ihr Schluss gemacht, und seither benahm er sich wie ein Stalker. Sie hatte mitbekommen, dass er sie vor seinen m"annlichen Freunden schlecht redete und sich beschwerte, dass sie nicht f"ur ihn „die Beine breitmachen“ wollte. Nat"urlich war das genau der Grund, aus dem er ihre Beziehung beendet hatte, aber Kimberly fand nicht, dass das sonst irgendjemanden etwas anging.
Und nun musste Kimberly sich fragen –– stellte Jay ihr nach?
Sie seufzte und dachte: Ich w"are nicht "uberrascht.
Sie sch"uttelte den Kopf und ging weiter.
Dann begann das Pfeifen erneut.
Kimberly ging schneller und schaute sich andauernd um, w"ahrend sie versuchte festzustellen, wo das Pfeifen herkam. Sie konnte es einfach nicht bestimmen. Aber sie begann zu hoffen, dass es doch Jay war. Der Gedanke, dass es einer von Jays Freak-Freunden sein k"onnte gefiel ihr "uberhaupt nicht. Und sie wagte es nicht, sich vorzustellen, dass es jemand sein k"onnte, den sie nicht einmal kannte.
W"ahrend sie weiterlief, schaute sie sich auf all die H"auser um, in denen die Menschen lebten, die sie ihr gesamtes Leben lang gekannt hatte. Sollte sie an einer dieser T"uren klopfen, damit sie irgendjemand rein liess?
Nein, es ist sp"at, dachte sie.
Sie konnte in den Fenstern keine Lichter sehen. Diese Menschen schliefen mittlerweile wahrscheinlich schon alle. Selbst wenn nicht, so w"urden sie sicherlich nicht erfreut sein, zu so sp"ater Stunde noch gest"ort zu werden. Und ihre Eltern w"urden ausrasten, wenn sie erfuhren, dass sie die Nachbarn so sp"at noch bel"astigte.
Das Pfeifen verstummte erneut, doch das beruhigte Kimberly kein Bisschen. Die Nacht erschien ihr nun k"alter und dunkler und gruseliger, als vor nur wenigen Minuten.
Als sie um eine Ecke bog, sah sie, dass in der N"ahe ein Kleintransporter geparkt war. Seine Scheinwerfer brannten und der Motor lief.
Sie atmete erleichtert aus. Sie erkannte das Fahrzeug zwar nicht wieder, aber wenigstens war es irgendjemand. Wer auch immer hinter dem Steuer sass, w"urde sie sicherlich die restliche kurze Strecke zu ihrem Haus fahren.
Sie lief zum Wagen r"uber und merkte, dass die Seitent"ur offenstand. Sie schaute hinein und sah, dass der leere, offene Innenraum von den Vordersitzen durch eine Art Gitter abgetrennt war. Sie konnte niemandem im Inneren des Wagens erkennen.
Kimberly fragte sich, ob der Fahrer wom"oglich Motorprobleme gehabt hatte und sich vielleicht gerade nach Hilfe umsah. Wenn es ein Fremder war, der nicht von hier kam, w"urde er nicht wissen, an wen er sich wenden sollte.
Vielleicht kann ich helfen, dachte sie.
Sie suchte in ihrer Handtasche nach ihrem Handy, denn sie dachte, sie k"onnte ihren Dad anrufen. Doch dann z"ogerte sie einen Moment lang, unsicher, ob sie Dad wirklich aufwecken wollte, selbst wenn es darum ging einem verirrten Fremden zu helfen.
Sie h"orte Schritte, die sich n"aherten und als sie sich umdrehte, erblickte sie ein bekanntes Gesicht.
„Ach, du bist es...“, sagte sie und versp"urte eine momentane Erleichterung.
Doch sein Gesichtsausdruck liess sie alle Worte verschlucken, die h"atten folgen k"onnen. Sie hatte seinen Blick noch nie so kalt und hart erlebt.